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Sport
Dienstag, 11.12.18 - 18:49 Uhr

Fritz Willig: "Bei Hannover 96 selbstkritisch die Situation überdenken"

Ehemaliger Präsídent redet sich einiges von der Seele

Der Laatzener Fritz Willig war von 1990 bis 1992 eine Wahlperiode lang der Präsident von Hannover 96. In seine Zeit fällt der Gewinn des DFB-Pokal-Wettbewerbes 1992 und die wirtschaftliche Sanierung des verschuldeten Klubs. Längst hat er Abstand zum Verein gefunden, ist trotzdem im Herzen immer ein „Roter“ geblieben.

LAATZEN. 

Die aktuelle Lage stößt bei ihm nicht nur auf, sondern beschäftigt ihn. Auf Anfrage vom LeineBlitz hat sich der 77-jährige Fritz Willig über die derzeitige Situation von Hannover 96 - die sportliche Talfahrt sowie der Zoff um die Vereinsführung - einiges von der Seele geredet.

 

Herr Willig, führt der Weg von Hannover 96 in diesem Spieljahr in die 2. Bundesliga?

 

Fritz Willig: Die Lage ist in der Tat sehr bedenklich. Trainer, Manager, Vereinsführung und Fans sollten kurzfristig selbstkritisch die Situation überdenken und die eigenen Möglichkeiten und das Leistungsvermögen abrufen. Falls das nicht gelingen sollte, wird es ganz eng für 96.

 

Sollten die Verantwortlichen an Trainer und Manager festhalten?

 

Fritz Willig: Das zu beurteilen liegt nicht bei mir, darüber haben die Verantwortlichen zu befinden. Da mische ich mich nicht ein. Aber aus meiner Sicht leisten Trainer und Manager gute Arbeit.

 

Warum ist Hannover 96 nach Ihren Beobachtungen in diese missliche Situation gekommen?

 

Fritz Willig: Die wirtschaftliche Lage hat sich durch Fehleinkäufe von Spielern, Fan-Boykott und der ewige Zoff zwischen vermeintlichen Anhängern und dem Verein so entwickelt. Das muss beendet werden. Überdies fehlt es an weiterem Kapital.

 

Ein wenig konkreter bitte.

 

Fritz Willig: Die bisherigen Geldgeber haben ihr Kapital zur Verfügung gestellt, aber das reicht nicht aus, um die Defizite auszugleichen. Deshalb ist eine Kapitalerhöhung erforderlich und natürlich Erfolge der Mannschaft. Aber neue Kapitalgeber findet Hannover 96 im jetzigen Zustand nicht.

 

Warum nicht?

 

Fritz Willig: Weil ein Kapitalgeber über sein gegebenes Geld entscheiden muss. Der Verein selbst sollte nur in wichtigen Fragen - zum Beispiel Verkauf et cetera - das Recht haben, einzugreífen.

 

Wieso ist das so wichtig?

 

Fritz Willig: Hannover 96 hat durch den bereits getroffenen Grundsatzvertrag die Rechte des Vereins festgeschrieben und sich zudem verpflichtet, dass die Profi-Abteilung den Amateursport im Verein wie Fußball, Leichtathletik, Tennis, Tischtennis, Schach, Kegeln und andere feste Geldbeträge für mögliche Investitionen zur Verfügung stellt beziehungsweise dafür Bürgschaften zu übernehmen. Ich halte das für eine sehr moderne Lösung. Die Deutsche Fußball Liga sowie der Deutsche Fußball Bund sollten die Gemeinnützigkeit nicht aufs Spiel setzen. Obwohl beide gute Arbeit leisten, sollten sie keine Angst vor Modernisierungen haben.

 

Wo sollen Kapitalgeber für Hannover 96 herkommen?

 

Fritz Willig: Hier in Hannover wird versucht, ansässige Unternehmer aus der Region und dem Land zu gewinnen. Ob das möglich ist, bezweifele ich. Aber auch andere Investoren ähnlich wie in England und Frankreich würden dem deutschen Fußball im Allgemeinen und dem in Hannover im Besonderen nicht schaden, wenn die Regeln zwischen dem Verein und den Investoren vernünftig geregelt sind. Dann bräuchten Leute wie Jürgen Klopp, Thomas Tuchel, Leroy Sane oder Toni Kroos nicht im Ausland zu arbeiten.

 

Noch ein Wort zu den Fans.

 

Fritz Willig: Wichtig ist, dass die Fans die Mannschaft unterstützen, Boykott hilft nicht weiter. Und dass Hannover 96 und die Opposition jegliche Egoismen beiseite stellen und sie gemeinsam für den sportlichen Erfolg einen gemeinsamen Weg in eine bessere Zukunft einschlagen. Misstrauensvoten sind bei Hannover 96 zwar in den Statuten vorgesehen, aber bei den jetzt Verantwortlichen nicht angebracht und dem Ziel - Erfolg für Hannover 96 - nicht dienlich. Zudem hat es ein so verdienter Präsident wie Martin Kind nicht verdient, angefeindet zu werden. Immerhin hat er Millionen in den Verein investiert und haftet voll.

 

Vielen Dank für dieses ausführliche Gespräch.

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